Erfahrungsbericht OE-Forum 
von Judith Schmid 

Berlin, Mai 2019: Der Raum ist klein, aber voll. Wir treffen uns in Berlin an einem Donnerstagmittag, mitten in Prenzlauer Berg. Der späte  Frühling ist in vollem Gange, es ist warm und schön. Ich bin um dreiviertel fünf aufgestanden um in aller Herrgottsfrühe in einem tief schlafenden Heidelberg den Zug zu nehmen, damit ich pünktlich zum Start des OE Forums zum Thema Wachstum da sein kann. Und jetzt plötzlich Hauptstadt.

Uta begrüßt uns und gibt eine Einführung ins Thema Wachstumsphasen. Es ist gut, einen kurzen Input zu haben, denn ab jetzt werden wir nur noch über die konkreten Fragestellungen sprechen, die unsere TeilnehmerInnen aus den NPOs mitgebracht haben -  allesamt spannende Initiativen mit sehr interessanten VertreterInnen, die wachsen wollen oder gewachsen sind und irgendwie das Gefühl haben, es könnte besser laufen.

Arbeiterkind.de, Union Europa e.V., Neue deutsche Medienmacher e.V., Teach First Deutschland, Digitalcourage e.V.. Ich denke mal wieder, die Welt ist wirklich voll von klugen und engagierten Menschen, die für gute Ideen eintreten. Ein wenig Hauptstadtflair kommt auf, während wir den uns eigentlich noch unbekannten Menschen aufmerksam lauschen, was sie machen und warum, wo es hakt und was sie sich für die Zukunft ihrer Vereine wünschen. Eine Chance für Journalisten ohne Diskriminierung, ein geeintes Europa (die Wahl stand kurz vor der Tür), engagierte Studenten in Brennpunktschulen, Sicherheit und Schutz der eigenen Person im weltweiten Spinnennetz. Die Themen unserer Zeit spiegeln sich wieder in der Arbeit der NPOs, die hier zusammen mit uns und den Dialogpartnern der Stiftung Austausch finden und nach Antworten und Lösungen fahnden.

Es passiert das, was mit den kollegialen Lernmethoden ja meist passiert: wildfremde Menschen finden in einen Dialog und bereichern einander, obwohl sie bislang keine Beziehung zueinander hatten oder besser gesagt, weil. Das Geheimnis der Inspiration und des Gebens wertvoller Impulse liegt in ihrer tiefgründigen Oberflächlichkeit, in der Kurzfristigkeit der Kontakte. Gerade weil ich weiß, dass ich nur einmal als Schwan drüber fliegen darf und das Landen und Brüten den anderen überlassen darf, bin ich so frei und kann so wertvolle Impulse von oben herab schicken. Der Abend klingt bei noch mehr Gespräch in einem Prenzlauer Park bei Schweitzer Küche aus.

Besonders beeindruckt mich die Arbeit von Digitalcourage e.V. Wie kommt es denn, dass wir alles Private und Höchstpersönliche so freiwillig preisgeben und unsere Daten nicht schützen um der Bequemlichkeit willen von WhatsApp und Co? Aber unsere Häuser mit sicheren Schlössern und Riegeln absichern und um vieles, was wir im Netz ungefragt raushauen, im Gespräch in eine Wolke der Diskretion hüllen? Wie gut, dass es einen Verein gibt, der für unseren Schutz der Privatsphäre kämpft, Nerd- und Mittagessenkultur inklusive. Am Freitag überlegen wir gemeinsam, wie der Verein weiter wachsen kann, ohne seine Schlagkraft einzubüßen oder seinen Zusammenhalt und das familiäre Gefühl dabei einzubüßen.

Schon wieder zwei Tage rum, ein schnelles Abschiedsfoto auf der Treppe, herzliches, kurzes Tschüss sagen, der Zug zurück fährt schon gleich. An diesem Tag war in Berlin eine Großdemo der Fridays For Future Bewegung. Noch so ein Thema unserer Zeit, wenn nicht DAS Thema. Wir wachsen, aber der Planet und die Atmosphäre wachsen nicht mit. Was da wohl noch helfen könnte? Wenn überhaupt?

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